Wissenswertes über die Geschichte der Jugendsiedlung Hochland

Geländekarte 1950

Jugendsiedlung Hochland Königsdorf an der Rothmühle

1950 gründeten junge Männer aus dem Umfeld der katholischen Jugendarbeit den Verein Jugendsiedlung Hochland Königsdorf e. V. mit dem Ziel, „Kindern und Jugendlichen in den Nöten ihrer Zeit beizustehen“ (Eugen Polz). Der Freistaat Bayern verpachtete das ca. 30 ha große Gelände in der Nähe der Isar an den Verein.

Der Vereinsname „Jugendsiedlung Hochland“ wurde auf dem Hintergrund der Geschichte des Geländes gewählt. In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945) fanden dort ab 1936 die sogenannten Hochlandlager mit bis zu 6.000 „Pimpfen“ (12- bis 14-jährige Jugendliche) statt. https://de.wikipedia.org/wiki/Hochlandlager. Die Zeltlager wurden zur ideologischen Ausrichtung der Hitlerjugend auf den Nationalsozialismus und zur Vorbereitung auf den Krieg benutzt. Vor dem Hintergrund dieser Geschichte steht der Verein seit seiner Gründung für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Zeit. Bis heute prägt dies in besonderer Weise den Bildungsauftrag, der sich in den Angeboten, den Möglichkeiten der individuellen Förderung, den Freiräumen und den vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten spiegelt.

Die Jugendsiedlung Hochland bietet im Jahr bis zu 55.000 Übernachtungen für ihre Gäste (19.000 in der Jugendbildungsstätte, 20.000 in Hütten, 16.000 im Zeltlager). Der Verein und die ca. 40 Angestellten bieten Kinder- und Jugendgruppen sowie Familien und Schulen individuelle Rahmenbedingungen für ihre vielfältigen Aktivitäten. Die Einrichtung steht aber auch für Seminare und Fortbildungen oder einen individuellen Aufenthalt zur Verfügung. Im Rahmen der Jugendbildungsstätte wird ein umfangreiches Programm für ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende angeboten.

1975 wurde der Verein als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt. Die Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf ist seit 1981 eine der zwölf vom Bayerischen Jugendring anerkannten und geförderten Jugendbildungsstätten in Bayern. 1996 wurde sie vom Bezirk Oberbayern zur bezirklichen Jugendbildungsstätte für Oberbayern ernannt und eine Umweltstation eingerichtet.

Im Rahmen der Jugendbildungsstätte wurden vielfältige Angebote und Projekte entwickelt: Demokratiewerkstatt, Entwicklung von Konzepten für die Aus- und Fortbildung für Ehrenamtliche in der Jugendarbeit, Fort- und Weiterbildung in Erlebnispädagogik (Wasser) und Kulturpädagogik (Zirkus und Fotografie), pädagogische Begleitung für die „Alte Schule Morsbach“ als Angebot  für Nord-Oberbayern, Angebote für Schulklassen (Klassengemeinschaft, Berufsorientierung, SMV etc.), Berufsorientierung durch s.t.e.p. und Familienbildung durch die Akademie FiF, Ferienprogramm, ökologischer Fußabdruck, konzeptionelle Vorarbeiten für die Sportjugendherberge Bad Tölz und Verantwortung für die Bildungsangebote in Kooperation mit Deutschen Jugendherbergswerk LV Bayern und vieles mehr.

Im Jahr 2003 gründet sich der Förderkreis der Jugendsiedlung Hochland, dessen erster Vorsitzender Willy Bäßler wurde. 2019 übernahm erst kommissarisch, dann als gewählter Vorsitzender Josef Birzele den Vorsitz des Förderkreises (www.jugendsiedlung-foerderkreis.de).

2014 konnte die Sternwarte auf dem Gelände der Jugendsiedlung als Partnereinrichtung eröffnet werden.

2017 haben wir das Tagungshaus komplett modernisiert nach aktuellen Vorgaben des Brandschutzes, Barrierefreiheit, Energieeinsparung u.v.m. mit neuer Küche, Speisesaal und großzügigen tageslichthellen Gruppenräumen.

Die Jugendsiedlung Hochland Königsdorf e. V. ist in besonderer Weise der Jugendverbandsarbeit und dem Bezirk Oberbayern verbunden. Sie sucht im ökumenischen Miteinander den Kontakt zu den Kirchen. Sie ist aber auch für alle anderen offen, die mit ehrenamtlichen oder hauptberuflichen Mitarbeitenden die Einrichtungen für ihre eigenen Angebote nutzen möchten.

Verein Jugendsiedlung Hochland Königsdorf e. V.

Der Verein wurde und wird von Menschen geprägt, die sich für die Jugendsiedlung engagieren. Neben sogenannten geborenen Mitgliedern gibt die Satzung eine Beschränkung auf 30 Personen vor. Ziel des Trägervereins war und ist es, gute Rahmenbedingungen in der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf für Kinder- und Jugendgruppen zu ermöglichen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Eugen Polz (1920 bis 2000) https://de.wikipedia.org/wiki/Bayerischer_Jugendring  gewählt. Nach seiner Wahl zum Präsidenten des Bayerischen Jugendrings übergab er den Vorsitz im Jahr 1953 an Kurat Richard Lippold (Diözesanjugendpfarrer der Erzdiözese München und Freising). Später wurden u. a. der BJR-Präsident Hermann Kumpfmüller sowie zahlreiche weitere engagierte Frauen und Männer der Jugendarbeit Mitglieder des Vereins.

In den ersten Jahren wurde für heimatlose Jugendliche eine Unterkunft mit Ausbildung als Schreiner, Weber und kurzzeitig auch Musikinstrumentenbau geschaffen und Lehrstellen in der Region (Königsdorf, Geretsried) vermittelt. Mitte der 1950er Jahr lief dieses Angebot aus. Die Nutzung des Zeltlagergeländes wurde intensiviert und die Methode des Zeltlagers als Ort zum Lernen von Demokratie immer stärker einbezogen. Gruppen konnten das Zeltplatzgelände und zum Teil auch das Übernachtungshaus (heutiges Tagungshaus) nutzen. Eine über 200 Meter lange Baracke diente ursprünglich als Lehrwerkstätte, später als Speisesaal mit Küche und Lager für Zeltlagermaterial.

Im Jahr 1956 wurde das damalige Übernachtungshaus an das katholische Jugendwerk Köln verpachtet. Die Verpachtung endete 1977. Die Jugendsiedlung konzentrierte sich auf die Nutzung und Belegung des Zeltplatzes. Die Organisation des Zeltlagers übergab der Verein u. a. an Antonia Wagenhuber, die seitens der Erzdiözese München und Freising dafür freigestellt wurde. Sie gestaltete das Leben auf dem Gelände entscheidend mit und erhielt dafür 1976 das Bundesverdienstkreuz.

1977 übernahm Karl Weigl, Jugendpfleger von Bad Tölz den Vorsitz. Zusammen mit dem stellevertretenden Vorsitzenden Willy Bäßler entwickelten sie die Konzeption für eine Jugendbildungsstätte. Eine zentrale Entscheidung, die die Zukunft der Einrichtungen der Jugendsiedlung dauerhaft sicherte. Nach der Generalsanierung des Tagungsgebäudes und der Neuerrichtung eines Übernachtungshauses (anstelle der langen Lagerbracke) wurde in der Jugendsiedlung Hochland Königsdorf einer der ersten Jugendbildungsstätte in Bayern errichtet. Als Leitung wurde Jörg Trottmann mit seiner Frau eingestellt; erste Bildungsangebote wurden entwickelt. 1983 wurde Willy Bäßler (1942 bis 2019) als Vorsitzender gewählt, der bis Ende der 1990er Jahre die Entwicklung des Vereins und der Jugendsiedlung mitprägte. In dieser Zeit wurden drei Übernachtungshütten und ein Hüttendorf auf dem Gelände des Zeltplatzes errichtet sowie ein Speisesaal für das Zeltlager. 1984 übernahm Franz Mittermayer die Leitung, der durch innovative Bildungsangebote im Bereich der politischen und ökologischen Bildung erste Zeichen zur Nachhaltigkeit setzte, z. B. durch den selbst entwickelten Bau zweier thermischer Solaranlagen. Im folgte 1991 Josef Birzele als Leiter. Er stellte seine Arbeit unter das Motto „Sachen klären, Handeln lernen, Menschen stärken“.

Im Jahr 1999 wurde Klaus Schultz (*1956) zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Neben der Ausweitung der pädagogischen Angebote wurden die Entwicklungen der Rahmenbedingungen für die Arbeit in der Jugendsiedlung verstetigt. Die sanitären Gebäude im Zeltlager wurden erneuert, eine ökologische Pflanzenkläranlage errichtet, ein großes Zirkuszelt für die Nutzung von Gruppen aufgestellt, das Tagungshaus um einen Saal erweitert und das Übernachtungshaus neu möbliert und teilweise saniert (2003). Die „Arche“ des Ökumenischen Kirchentags 2010 fand auf dem Gelände der Jugendsiedlung Hochland ihren festen Platz und die Generalsanierung des Tagungshauses wurde 2020 abgeschlossen. 2018 übernahmen Roland Herzog und Robert Wenzelewski die Leitung der Einrichtung mit ihrem Leitmotiv „Mensch und Natur im Mittelpunkt“. Weitere Informationen hier.

Haupthaus 1950
Weber-Azubi 1955